Kastration

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Kastration

Beitrag von Browser » 17.05.2013, 22:27

ich besitze einen 3 ½ -jährigen Manchester-Rüden, der hoch im Trieb steht. Das führt bei ihm des öfteren zu Streßsituationen, insbesondere bei Hundebegegnungen. Jeder anderer selbst weit entfernt laufender Hund wird interessant. Er ist dann nicht mehr ansprechbar. Ansonsten steht er ohne Ablenkung gut im Kommando und führt alle „Begleithundübungen“ auf dem Hundeplatz weitgehend gut aus. Wird jedoch mit mehreren Hunden auf dem Platz trainiert ist er sofort abgelenkt. Im Verein wurde mir geraten an eine Kastration zu denken. Ich habe ihn vor etwa 2 Jahren chippen lassen. Das hatte zu Folge, daß am Hals seine Haare dünner wurden. Darüber hinaus ist es wohl so, das Chippen und Kastration nicht unbedingt zu vergleichen sind.
Wer von Euch hat Erfahrung mit der Kastration, d.h. wer kann mir über mögliche Nebenwirkungen berichten oder auch eine Empfehlung geben.

Liebe Grüße

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Sula
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Beitrag von Sula » 18.05.2013, 06:45

Hi Browser!

Ich hoffe, Dir schreiben Leute, die einen Rüden besitzen und/oder mit Rüden Erfahrung haben!
Ich kann Dir nur soviel sagen: Eine Kastration kann eine Verhaltensänderung in die eine wie in die andere Richtung zur Folge haben oder es passiert gar nichts. Das kann Dir niemand versprechen - das es so oder so danach wird.
Dein Hund wird bestimmt eine Fellveränderung haben, so wie Du sie schon beschrieben hast, nachdem er gechipt war.

Hast Du denn währenddem er gechipt war eine Verhaltensänderung bemerkt? Das wäre vielleicht ein Hinweis auf das Verhalten nach der Kastration.

So wie Du die Situation auf dem Hundeplatz beschreibst kannst Du bestimmt mit Training und Erziehung noch einiges verändern. :wink:
Viele Grüße Steffi mit Rübe Ruby, Drachenkind Wanda und Sula für immer im Herzen.


Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.
Antoine De Saint-Exupéry

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markus
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Beitrag von markus » 18.05.2013, 09:27

Hallo Jens,

daß Du ein besonders agiles Exemplar erwischt hast, hat Dir ja bereits der Anfang Eurer Beziehung gezeigt.

Aus mehrfacher Erfahrung kann ich sagen, daß eine Kastration nicht zwingend Triebe und Aktivitäten bremst. Es kann zwar passieren, daß der Kandidat dann lammfromm wird, aber dafür dürfen diese triebhaften Erfahrungen erst gar nicht gemacht werden.

Z.B. Tequilar ist trotz Kastration immer noch hochagrressiv, wenn er seine Widersacher sieht und ein heißblütiger Liebhaber, wenn unsere Hündin heiß wird. Er kann zwar auch sehr gut mit Hundefreunden umgehen, aber wenn es ein bekannter Widersacher ist oder ein potentieller neuer Konkurrent, dann rastet er aus.
Mit sehr viel Aufmerksamkeit kann ich darauf reagieren und es quasi vorrausschauend entschärfen, in dem ich ihn anderweitig beschäftige.
Aber die schlechten Erfahrungen seiner Zeit vor uns kann ich ihm nicht nehmen und sein Weltbild auch nicht nachhaltig verändern.

Also: Kastration kann eine Wesenänderung bewirken, muß es aber nicht und die starke Triebhaftigkeit eines Manchester-Terrier ist auch in abgeschwächter Form immer noch beeindruckend.
Man sollte ihn noch mehr an die anderen Hunde im Verein gewöhnen und muß ihn noch mehr auf sich fokusieren und beschäftigen, denke ich zumindest...

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Beitrag von Dogdance » 19.05.2013, 19:11

...... ja die Kastration ist so ein Thema.

Ich möchte Euch mal auf einen interssanten Beitrag (Kastration aus verhaltensbiologischer Sicht) von Dr. Udo Ganßloser hinweisen.

http://hasenhirsch.bplaced.com/bouv/ima ... ration.pdf

...... und bitte dann entscheide Dich (ich hoffe nicht für eine Kastration) !!!!!
Matthias mit Paula und Gräfin Mila of the Black Hurrican´s
www.manchester-terrier-baden.de

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Beitrag von dietutnix74 » 20.05.2013, 17:38

Perro ist kastriert.

Ja, das Fell ist ein Problem, allerdings kann ich bezüglich der Kälteempfindlichkeit kaum einen Unterschied zw. dünnem und sehr dünnem Fell erkennen. Damit es nicht noch weniger wird, fütter ich entsprechend.

Ausserdem war der Alltag mit ihm extrem anstrengend.

Ich hab mich für einen entspannteren Alltag, gegen ein hübsches Fell entschieden und hab es nicht bereut.

Klar ist die Kastration keine Wunderwaffe gegen Verhaltensauffälligkeiten, sie grundsätzlich zu verteufeln ist aber auch nicht der richtige Weg.
Solange Menschen glauben, dass Tiere nichts fühlen, solange müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.

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Beitrag von Tinys Friend » 21.05.2013, 13:16

Tut mir leid, wenn ich jetzt irgendwem auf den Schlips trete.

Ich bin generell eher für kastrieren.

Da ein "normaler" Rüde eh nicht "darf", verpasst er nichts. Man nimmt ihm jedoch den Druck, immer auf der Suche nach paarungswilligen Mädels sein zu müssen, um seine Gene weiterzugeben.

Warum werden kastrierte Rüden gerne pummelig und brauchen weniger Futter? Weil sie weniger Stress haben und der Kalorienbedarf sinkt. Sie werden generell ruhiger.

Wie wirksam eine Kastration ist, hängt vom Alter des Hundes ab. So weit ich informiert bin, lagern sich die männlichen Hormone unter anderem in der Neben-Nieren-Rinde ab. Und so dauert es einige Zeit, bis sie wirkt.

Nicht vergessen darf man, dass sich der Geschlechtstrieb auch im Kopf abspielt. Und ein Rüde, der schon "Erfahrung" hat, erinnert sich: "da war doch mal was und das war toll".

Mein Atila ist kastriert. Sein Verhalten gegen andere Hunde hat sich nicht gravierend geändert, jedoch riecht er nicht mehr nach "Mann" und die anderen Hunde sind weniger aggressiv zu ihm. Er leidet nicht mehr, wenn im Ort eine Hündin läufig ist und er liebt Tiny besonders, wenn sie läufig ist. Sonst müsste ich ihn immer für zwei Wochen weggeben.

Wie hat sich denn das Verhalten Deines Hundes geändert, als er den Chip hatte? Das mit dem Fell ist wohl kaum ganz vermeidbar und kann durch hochwertiges Futter teilweise reduziert werden.

Hoffe, das war etwas hilfreich.
Luzie mit kastriertem Atila und unkastrierter Tiny
Du hast ein Tier nur einen Teil Deines Lebens, aber vergiss nicht, daß Du es sein ganzes Leben hast.

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Beitrag von Beate » 29.05.2013, 17:09

Ich habe drei kastrierte Rüden.
Ja, bei Chandor (mit 8 Jahren wegen überdimensionaler Prostata) kastriert) ist das Fell dünner geworden. Aber schon vierzehn Tage nach der Kastration konnten wir wieder spazierengehen ohne das er alle drei Schritte (ich habe gezählt) stehenblieb und Pipi schlecken und schnattern musste. Sein Rüdenverhalten hat sich dahingehend geändert, dass er nicht mehr hinter jeder Hündin oder kastriertem Rüden herlief. Natürlich steht er bei Hundebegegnungen nach wie vor sehr souverän seinen Mann und bei läufigen Hündinnen wird er aufgeregt (er durfte nämlich decken :wink: ). Aber das Leben ist für ihn seit der Kastration sehr viel entspannter geworden und er hat keine Lust mehr, jedenRüden anzupöbeln, jetzt hat er Lust auf Kekse :)
Melchior ist seit seinem 12. Monat kastriert und auch das habe ich nicht bereut. Er ist ein entspannter grauer Riese und eigentlich immer nett. Es sei denn, ein anderer Hund ist extrem unhöflich, dann kann er auch schon mal ungehalten werden. Am Schlimmsten sind gockelnde Rüden, die an uns vorbeigehen, die kann er gar nicht leiden (mit Recht :) )
Tja, und dat Siegelchen musste sich mit 18 Monaten von seinen Hoden verabschieden. Zu diesem Zeitpunkt war er so testosterongesteuert, dass ein sinnvolles Alltagstraining nicht möglich war. Bei ihm hat es etwa drei Monate gedauert bis ich eine deutliche Veränderung beobachten konnte. Da ich am Training in dieser Zeit nichts geändert habe, schiebe ich es auf die Kastration. Auch bei ihm ist das Fell etwas dünner geworden, stört aber weder ihn noch mich wirklich.
Zum Trieb bei der Arbeit kann ich sagen, dass sich die Kastration nicht negativ ausgewirkt hat :), alle drei sind lustig und triebig bei der Arbeit :)
Du solltest Dir zuerst einmal die Frage beantworten: kann mein Hund mir beim Training auch ausserhalb vom Hundeplatz überhaupt zuhören. Und ich meine wirklich: KANN er. Wenn nicht, weil der Hund im Testosteron schwimmt, dann gebe es für mich keine weitere Frage. Du könntest eine Cipimplantation versuchen. Die Hunde in meiner Praxis (und das waren schon einige) haben auf die Chipimplantation durch die Bank positiv reagiert, sodass sich die Besitzer schlussendlich im Interesse des Hundes für eine Kastration entschieden haben. Natürlich ist ein Chip keine Kastration aber Tendenzen sind zu erkennen. Und für mich steht das Fell an zweiter Stelle. An erster Stelle stehen sowohl physische wie auch psychische Gesundheit.
A dog is for life, not just for Christmas