Perro goes Rettungshund - Ausbildungsschritte und Rückfragen

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dietutnix74
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Perro goes Rettungshund - Ausbildungsschritte und Rückfragen

Beitrag von dietutnix74 » 23.01.2010, 11:47

Guten Morgen,

Perro ist jetzt 10 Monate alt und langsam beginnt für ihn der Ernst des Lebens. D.h. in der Ausbildung bekommt er jetzt ernsthafte Aufgaben gestellt und rennt nicht nur spielend über den Platz.

Ich würde euch gerne hier Einblicke in einzelne Schritte geben und ich könnte hin und wieder eine helfende Hand bzw einen Tipp brauchen.

Nachdem ich November/Dezember nicht so viel mit ihm machen konnte (Job) und wir davor hauptsächlich damit beschäftigt waren seinen Trieb zu kanalisieren, Konzentration zu fördern und vor allem ein Team zu werden, steht für die nächsten Wochen ein großen, wichtiges Thema an: Klettern

Rettungshunde müssen, sofern sie in der Sparte Trümmer ausgebildet werden, ausgezeichnet klettern können. Nur so können sie im schwierigen Gelände noch die Nasenleistung bringen und gut anzeigen. Ein Hund, der sich schon beim Klettern schwer tut, verliert in der Suchintensität aufgrund der geteilten Konzentration.

Also, hab ich mich auf die Socken gemacht und Klettermöglichkeiten gesucht. Hier brauche ich übrigens noch Tipps und Hilfe, wo es in Berlin eventl. weitere Möglichkeiten gibt (muss nicht gross sein). Z.b. Bauschutthaufen, Abenteuerspielplätze etc.

Ich habe eine Feuerleiter gefunden. Wendeltreppe, sehr steil, Gitter. Ich hab gefragt und darf sie benutzen :-)

Zuerst hat Perro den Rückwärtsgang eingelegt. Ist aber dank Würstchen irgendwann hypervorsichtig und mit mir als Begleitung bis in den ersten Stock geklettert.

Mir ist es ganz recht, dass er so vorsichtig ist, ich habe schon genug schnelle Hunde abstürtzen sehen :-)

Bisher haben wir sie 3x geübt und gestern ist er mit mir schon schwanzwedelnd in den dritten Stock und alleine zu der Hilfsperson bis in den ersten Stock. Ab Montag üben wir weiter und die Hausbesitzerin hilft mir immer :-)

Zudem habe ich gestern einen weiteren Vorteil von kleinen Hunden entdeckt. Ich kann viel mehr zu Hause im Wohnzimmer üben ;-)

Ich habe meine Haushaltsleiter aufgebaut. Perro kann auf der obersten Plattform stehen, meine Großen bräuchten ein extra Podest ;-)

Nah ca. 5 Anläufen ist Perro schon ohne Hilfe, noch vorsichtig und ungelenk, aber alleine die Leiter hoch geklettert.

Er fand`s gut und war danach totmüde *grins

Die nächsten Tage muss er noch runter klettern üben.

Ich könnte auch hin und wieder Leute in Berlin brauchen, die für kleine Kontaktübungen zur Verfügung stehen. Oder ganz vermessen, welche, die Lust haben in ihrem Garten einen Hindernisspacours zu bastel (kein Agipacour) ;-) Z.B. senkrechte und waagrechte Leitern, das fördert Motorik und Konzentration.

LG
Sonja
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Beitrag von Isabell » 23.01.2010, 12:38

Hallöchen,

ich finde das sehr interessant. :top:
Hatte ja mal überlegt, ob ich etwas in der Richtung mal mit meinem Gino mache?! :?

Nun ja, zwecks Klettermöglichkeiten müsste ich mal nachdenken, ob mir im Bereich Berlin etwas einfällt! :)

Ansonsten könnte man sich im Wald ja verschiedene Bäume suchen, gefällte usw....ist ja auch toll zum Klettern und für die Balance! :D
Liebe Grüße von Gino, Jason&Isa!
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Beitrag von dietutnix74 » 23.01.2010, 18:12

Bäume etc. machen wir ja schon. Auch wenn es im Moment zu glatt ist.

Also, Bauschutthöfe oder so wären toll. Oder alles, wo Steine u.ä. gestapelt, gelagert werden.
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Beitrag von Ynys Daeargi » 23.01.2010, 18:31

Ruf doch mal bei einem Abbruchunternehmen an, ob sie Dich in der Zeit zwischen Abriß und Abtransport mal auf ein Gelände lassen. Das wäre dann schon ziemlich "lifelike"..... und zur Zeit wegen Haiti auch ohne großes Erstaunen ("WAS wollen Sie machen???") zu erklären.
Carsta

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Beitrag von Sula » 24.01.2010, 11:50

Dein Bericht ist äußerst spannend! Neben der vielen Arbeit hast Du bestimmt mal trotzdem Zeit für ein paar Bilder für uns!!! :D
Sula klettert für ihr Leben gern. Wir wohnen im Thüringischen Vogtland/Elstertal - Schieferberge und Wald drauf (Wie Felsenklettern) - das wär was für Euch!
Vielleicht habt Ihr Lust auf einen Kurzurlaub?

Wir drücken die Daumen für die Ausbildung! :top:
LG Steffi & Sula
Viele Grüße Steffi mit Rübe Ruby, Drachenkind Wanda und Sula für immer im Herzen.


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Beitrag von Tinys Friend » 24.01.2010, 16:11

Hallo Sonja,

das klingt spannend und konzentrationsfördernd.

Frage: Hat Perro gelernt, Schuhe zu tragen? In Bauschutthaufen würde ich meinen Hund nicht barfuß gehen lassen. Wenn er auf Baustahl-Streben steigt, könnte das übel enden.

Viele Grüße!
Luzie mit Atila
Du hast ein Tier nur einen Teil Deines Lebens, aber vergiss nicht, daß Du es sein ganzes Leben hast.

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Beitrag von dietutnix74 » 24.01.2010, 18:07

Schuhe haben auf Trümmer Vor- und Nachteile.

Meine Hunde laufen bisher immer ohne.

Trümmer sind auch oft gefährlich. Ich versuche meinen Hunden beizubringen sehr vorsichtig zu laufen. Hauptsächlich schafft man das durch Gerätearbeit.

Und leider auch dadurch, in denen man bei dieser nicht alles zu 100% absichert. D.h. wenn Perro etwas abrutscht, muss er erst mal selber versuchen wieder Stand zu bekommen. Natürlich sichere ich so ab, dass nichts schlimmes passieren kann, aber er muss leider auch lernen, dass "huddeln" keine gute Idee ist.

Kurzurlaub????


Au ja, wo ist denn das genau????
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Beitrag von Sula » 25.01.2010, 07:59

Hallo Sonja!
Wir wohnen in Berga/Elster, das liegt zwischen Gera und Greiz.
Viel Wald, Wiesen und viele würden sagen fast am A... der Welt. (Aber so schlimm isses auch net.) :wink:

LG Steffi
Viele Grüße Steffi mit Rübe Ruby, Drachenkind Wanda und Sula für immer im Herzen.


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Beitrag von dietutnix74 » 07.02.2010, 11:58

Guten Morgen,

Bezug nehmend auf monsters in meinem Vorstellungsthread hier ein paar Erläuterungen zu Eignungstests für Rettungshunde:

Ich persönlich halte nicht viel davon, denn sie sind immer nur eine Momentaufnahme. Zudem sie oft so strukturiert sind, dass lediglich Erlerntes abgefragt wird.

In unserer Staffel findet keiner statt. Hund und Hundeführer werden einige Monate beobachtet und dann anhand der Entwicklung beurteilt.

Zur Eignung eines Rettungshundes gehören meiner Meinung nach ganz wenige, aber wichtige Dinge:

1. körperliche Gesundheit
2. Motivation, egal ob Futter oder Spiel
3. eine gewisse nervliche Belastungsfähigkeit.

Ich werde bestimmt im nächsten Artikel etwa mehr dazu schreiben, warum ein Manchester-Terrier für mich umbedingt geeignet ist.

Perro bringt die o.g. Punkte mit.

Ich weiss, dass viele Staffeln eine gewisse Menschenfreundlichkeit erwarten, aber da habe ich einfach eine andere Meinung. Ich persönlich finde, dass ein sauber ausgebildeter Hund den Helfer nicht mögen muss. Er muss lediglich sauber und vorsichtig ausgebildet sein, um in der Anzeige soweit gefestigt zu sein, dass er den Helfer nicht meidet.

Zudem meine beiden Alten anfänglich ein echtes Problem mit Menschen hatten und sie nun sehr zuverlässig arbeiten. Für Cleo ist der Helfer bis heute schlichtweg die Ballwurfmaschine.

Übrigens wird eine Freundin von mir demnächst eine Bilderserie von uns machen. Ich denke die offene Treppe und die Leiter wird dabei sein.
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Beitrag von monsters » 07.02.2010, 15:37

Hi,

Danke Dir für die schnelle Antwort!

Klar, Eignungstest sind Momentaufnahmen... und wenn man mal einen besucht hat, weiss man auch, was man trainieren muss - und das verfehlt ja dann den Sinn.

Ich fand ihn jedoch ganz gut, um Hunde mit "gröberen" Problemen zu erkennen, also stärkerer Ängstlichkeit/Agression... er kam ja auch u.a, nachdem es Beissvorfälle auf Prüfungen, Einsätzen, etc gegeben hatte, besonders bei den Trageübungen, wenn ich mich recht erinnere.

Zu welchem Verband gehört ihr denn dann? Wenn ich mich recht erinnere, war der verpflichtet für alle Organisationen, die sich der gemeinsamen Prüfungsordnung angeschlossen hatten?

Meine Staffel hat es so gelöst, dass Hundeführer mit potentieller Eignung erst mal 6 Monate Probezeit haben... das ist ja dann so ähnlich wie bei Euch wahrscheinlich und ich finde das auch viel besser! Seh ich genauso :P . Aber der Eignungstest muss dennoch bestanden werden... zumal es ja sowieso verpflichtend ist, da DRK-Staffel.

Ich find auch, dass es die von Dir genannten Punkte mit das Wichtigste darstellen... der Grund, weshalb ich MTs als eher ungeeignet ansehe, liegt vermutlich in der Einmischung von dem, was gerade bei mir auf dem Schoss sitzt... dem Windhund nämlich. Ich finde die diese Mischung aus Terrier und Windhund zwar auf der einen Seite so bezaubernd, dass ich langfristig zwar unbedingt wieder einen Manchester-Terrier an meiner Seite haben möchte, auf der anderen Seite macht sie das in meinen Augen für solche Dinge eher ungeeignet (das ist aber nicht negativ gemeint :wink: ). Daraus entstehende Mankos gehen u.a. in die Richtung von Punkt 3.


Beziehst Du die Menschenfreundlichkeit jetzt auf Deinen Perro oder meinst Du das generell? Ich kann mich insofern damit anfreunden, dass eine Reserviertheit gegenüber Menschen nichts Hinderliches ist. Pelle war so - andere Menschen waren ihm schlichtweg egal, das hatte aber nichts mit Angst oder Aggression zu tun, er hat sich eben nur für sie interessiert, wenn sie irgendetwas für ihn getan haben, ansonsten hat er sie gnadenlos ignoriert...der ist häufig noch nicht mal aufgestanden, wenn Besucher gekommen sind. Als Ballwurfmaschinen oder Futterspender wurden sie aber gerne genommen... bedeutet haben ihm aber nur wenige Menschen etwas.
Wenn man "fehlende Menschenfreundlichkeit" als Unsicherheit/Agression/etc interpretiert, kann ich mich damit weniger anfreunden... dafür sind ja dann u.a. auch die Eignungstest und das Abfragen der Trageübung in der Prüfung da und das find ich auch gut so... wer weiss, in welche Stresssituation Hunde dann im Einsatz tatsächlich kommen. In meinen Augen kann es bei jedem Hund in jeder ernsthaften Arbeit einfach dazu kommen, dass "Ausbildung" nicht mehr "funktioniert"...letztendlich ist ja auch der belastbarste Hund nur ein Lebewesen... und wenn man sich durch verschiedenste Opferbilder (betrunkene, um sich schlagende, kreischende, blutbeschmierte, etc) noch so absichert. Wenn ein Hund gelernt hat, dass Menschen toll sind und man ihnen vertrauen kann, kann er diese Situation ja viel besser lösen... von entstehenden Gefahrenmomenten ganz abgesehen.
Ich habe bezugnehmend auf Perro gefragt, weil die meisten Hunde, die als Welpen schon mit RH begonnen haben, "automatisch" durch die Opferbindungsspiele (ja, ich weiss, dieses Wort bietet viel Diskussionsstoff :mrgreen: ) eine recht hohe Menschenfreundlichkeit entwickeln.
Ich finde auch immer, dass die ersten Anfänge der Ausbildung von Rettungshunden eine tolle Idee für Welpenstunden ist... hab ich mit meinem Whippetwelpchen letztes Jahr auch gemacht.

Ich freu mich schon auf die Fotos von Treppe und Leiter... werd mal gucken, ob ich von Pelle auchnoch welche auf Geräten finde... er hat uns öfters mal begleitet und durfte dann auch mal ein bisschen "mitturnen"... hat ihm viel Spass gemacht :wink: . Und jegliche Nasenarbeiten sowieso... ich fand ich sogar auf Nasenleistung bezogen talentierter als meine Rettungshündin...faszinierend finde ich bei MTs einfach auch immer, dass sie so unwahrscheinlich clever sind und auch in höchster Konzentration auf bestimmte Dinge einfach nie ihr Köpfchen ausschalten und immer tolle, kreative Ideen haben!

Vielleicht magst Du ja auch Bilder von Deinen beiden Nicht-MTs zeigen?
Würde mich freuen!

Hach ja... ob ich doch nochmal mit RH beginne, wenn die Nachfolgerin meiner Maus (die mich aber hoffentlich noch sehr, sehr lange begleiten wird) mal einziehen wird...
Liebe Grüsse!

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Beitrag von dietutnix74 » 07.02.2010, 19:14

Wenn mir jemand erklärt wie man Bilder einstellt, könnt ihr mal Cleo und Anton sehen.

Zum Kern Deines Posts:

Belastbarkeit.

Nervliche Belastbarkeit ist zwar genetisch bedingt, kann aber auch gefördert werden. Als ich mich für Perro entschied, war das in seiner Linie ein wichtiger Punkt. Beide Elterntiere sind einfach extrem souverän ohne dabei Schlaftabletten zu sein.

Dazu habe ich von Anfang an genau darauf hin gearbeitet. Das heisst im Falle eines so agilen, schnellen Hundes, dass man weniger macht. D.h. ich habe von Anfang an Reize sehr dosiert. Ich bin Wochen lang die gleichen Runden gelaufen bis er die dortigen Reize verarbeitet hat, habe immer wieder Pausen gemacht etc.

Im Falle meines Hundes kam also Genetik und gezieltes "wenig-tun" zusammen. Er ist kaum schreckhaft bzw. wenn er mal einen Sprung zu Seite macht, guckt er danach sofort was los war.

Natürlich ist er rassetypisch vorsichtig, das begrüsse ich aber eher. Denn das schützt ihn davor völlig irre über die Trümmer zu rennen.

Dazu kommt, und das unterschätzen viele Hundeführer und Ausbilder, der Faktor Vertrauen. Aggression ist zu 99,9% defensiv. Ein Hund, der beim Tragen beisst, hat ein schwerwiegendes Problem und sollte zunächst Dinge lernen, die nur bedingt was mit RH-Arbeit zu tun haben. Die grosse Frage ist auch, ob man diesem Hund mit der Ausbildung einen Gefallen tut ;-)

Eine wichtige Frage wäre auch, ob die Aggression vielleicht nicht doch schmerzidiziert ist. Aber das führt hier zu weit.

Meine Hunde lernen, wenn ich ein Kommando gebe, habe ich nicht nur Recht, sondern es schadet ihnen nicht. Wenn ich meinen Hund ins Platz lege, beschütze ich ihn gegen alle Attacken.

Wenn ich meinen Hund auf eine Treppe schicke, sichere ich ihn ab bis er es kann. Kleine Wehwechen nehm ich in Kauf, denn das lässt den Hund weiter vorsichtig sein. Da "verpimpel" ich einfach nicht. Trotzdem kommen alle drei zu mir, wenn ihnen was weh tut ;-)

Mein Pitbul ist abgestürzt, schüttelte sich und rannte gleich wieder auf`s Gerät. Das wollte ich nicht mehr ;-) Perro rutscht ab, wundert sich, wird vorsichtig und lässt sich dann wieder schicken.

Zur Menschenfreundlichkeit:

Gerade am Samstag hatte ich die für mich leidige Diskussion zur Helferbindung. Ich persönlich finde eben nicht, dass der Hund irgendeine Bindung zu den Helfern braucht. Meine sollen es auch gar nicht.

Meine Hunde lernen das Verbellen indem sie die Übung langsam lernen. D.h. Bilder und Bellanzahl werden langsam gesteigert bis der Hund z.B. 6Min alles anbellen kann. Das ist die gleiche Übung wie 6 Min Fußlaufen ohne Bestätigung ;-)

Auch habe ich mit Perro nicht wie üblich von Anfang an Kontaktübungen gemacht. Als Welpe kam er aus dem Auto, hat mit mir gespielt und ist wieder ins Auto. Bis er gelernt hat, wenn ich aus dem Auto komme wird`s toll. Das Spielen war zudem ein Problem wegen der Triebkanalisation. Jetzt kann er mit mir immer und überall spielen ohne sich ablenken zu lassen. Stichwort Konzentration.

Dieser Ausbildungsschritt ist noch nicht abgeschlossen. Ich lasse mir da Zeit, weil es einfach wichtig ist, den Hund zunächst einmal die Konzentration zu vermitteln.

Ich weiss, dass viele Hundeführer für meinen Geschmack zu schnell arbeitet. Meine Staffel wundert sich immer noch, weil Perro 99% der Übungen mit mir macht. Noch ist er mir aber zu ablenkbar, zu unkonzentriert, einfach noch nicht gefestigt.

Es ist wie ein Fundement, dass man giesst. Wenn das nicht gerade ist oder fest, hast Du nachher schiefe Wände, Risse o.ä. und Du bist ständig damit beschäftigt Wackeliges zu korrigieren.

Eine Freundin von mir hat in das Spielen fast 12 Monate investiert. Danach gingen aber die anderen Element doppelt so schnell ;-)

Übrigens, am Rande, hätte ich mir einen Mali gekauft, hätte ich es genauso gemacht. Denn auch ein Mali neigt dazu ein nervöser Hampelmann zu sein. Das wird nur gerne übersehen, weil es halt ein Mali ist ;-)
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Beitrag von markus » 07.02.2010, 20:55

dietutnix74 hat geschrieben:Wenn mir jemand erklärt wie man Bilder einstellt, könnt ihr mal Cleo und Anton sehen.
http://www.manchester-terrier-deutschla ... ?p=779#779

Bei Fragen einfach an mich wenden...

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Beitrag von monsters » 07.02.2010, 22:20

dietutnix74 hat geschrieben: Nervliche Belastbarkeit ist zwar genetisch bedingt, kann aber auch gefördert werden. Als ich mich für Perro entschied, war das in seiner Linie ein wichtiger Punkt. Beide Elterntiere sind einfach extrem souverän ohne dabei Schlaftabletten zu sein.
Ich kenne eigentlich keinen Manchester-Terrier, den ich dafür als geeignet sehen würde... wie gesagt. Aber: Ich kenne zugebenermassen erstens nicht so viele MTs so gut, als dass ich es sicher beurteilen könnte und zweites gar keinen aus dem Hause Deiner Nase. Will das also sicher nicht absprechen!
Ich hab nur oft viele Verhaltensweisen meines MTs, auch bei anderen MTs gesehen und das machte sie in meinen Augen dafür eben ungeeignet - was aber nicht heisst, dass es nicht grossartige, tolle, witzige und clevere Hunde sind (ich meine das wirklich ernst... ich hätte ja gerne irgendwann wieder einen). Aber es muss ja eben auch nicht jeder Rettungshund sein.
Und für mich ist das die Mischung aus "Terrier x Windhund" einfach nicht... aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel und ich lasse mich als Manchester-Terrier-Fan ja auch sehr gerne eines Besseren belehren ;-).

Ich sehe das vielleicht auch recht "eng", weil ich finde, dass es mit eine grosse Verantwortung dem Hund gegenüber ist. Wenn es ein Sport oder Nasenspass ist... tolle Sache für einen Manchester-Terrier. Macht natürlich jedem Hund Spass, aber einem so sportlichen und cleveren Hund wie einem Manchester-Terrier ganz besonders.
Aber RH ist ja eben eine recht ernste Sache und braucht Hunde, die in jeder Situation sofort einsatzbereit sind. Natürlich sind es Lebewesen, auf die man Rücksicht nehmen muss, aber wenn es um das Leben eines vermissten Menschen geht, dann sollten es einfach keine Hunde sein, bei denen man da gross überlegen sollte, ob es ihnen vielleicht nicht zuviel werden könnte und ob sie belastbar genug dafür sind oder doch eine Pause brauchen, weil die letzten beiden Wochen vielleicht stressig waren und sie nun reizüberflutet sind oder ob diese sensiblen Hunde an irgendetwas anderen knabbern, was sie gerade beschäftigt.
Deswegen sehe ich die Auswahl für die Hunde aus heutiger Sicht wirklich eng, weil ich eher immer Angst habe, dass es sie einfach in Situationen, in denen man sie aber dann wirklich braucht, überforden würde. Der MUSS dann einfach, weil es notwendig ist und das Auffinden der vermissten Person absoluten Vorrang hat. Und dieses "MUSS" ist etwas, wofür imho nur wenige Hunde geeignet sind.
Auch deswegen finde ich den Eignungstest wirklich zum Wohle der Hunde heute sehr, sehr sinnvoll, selbst wenn es nur eine Momentaufnahme ist. Aber es ermöglicht, dass von "oben" eine Entscheidung zum Wohle des Hundes gefällt wird, wenn die eigene Staffel vielleicht betriebsblind geworden ist. Bei einem Sport muss ich das alles nicht so eng sehen... da kann ich eher meinen Hund einfach zurückziehen (natürlich tut das ein verantwortungsvoller RH-Führer auch, aber der sollte eben einen Hund haben, bei dem das nicht nötig ist ;-)). Und es gibt ja auch viele tolle Sportarten für MTs, auch welche, in der man Leistungen in Turnieren messen kann, wenn man Spass daran hat... ich sehe diese süßen kleinen schwarzen Teufel hier einfach besser aufgehoben.




dietutnix74 hat geschrieben: Dazu habe ich von Anfang an genau darauf hin gearbeitet. Das heisst im Falle eines so agilen, schnellen Hundes, dass man weniger macht. D.h. ich habe von Anfang an Reize sehr dosiert. Ich bin Wochen lang die gleichen Runden gelaufen bis er die dortigen Reize verarbeitet hat, habe immer wieder Pausen gemacht etc.
Klar, weniger ist mehr. Aber viele Hundebesitzer sind ja zum Glück sowieso schon runter vom dem "Sozialisierungswahn", was die Dauerberieselung von Reizen auf ihre Welpen betrifft. Gelegentlich hatte ich sogar den Eindruck, dass das zu arg in die andere Ecke abdriftet und man aus Angst vor Reizüberflutung dann gar nichts mehr gemacht hat.
Viele Hundebesitzer machen das heute in meinen Augen total toll... individuell abgestimmt auf ihren Welpen... genug Reize, aber eben nicht to much. Und viele Pausen zum Verarbeiten!
Gute Entwickung, nachdem das zum Glück auch mit in den Focus der Hundeausbildung gerückt wurde... zumindest so mein Eindruck.
Ist ja für alle Hunde wichtig, nicht nur für die mit Jobs.

dietutnix74 hat geschrieben: Natürlich ist er rassetypisch vorsichtig, das begrüsse ich aber eher. Denn das schützt ihn davor völlig irre über die Trümmer zu rennen.
Als ich meine Hündin noch geführt hab, hab ich immer das Gleiche gesagt... ich war schon dezent überfordert in der Anfangszeit, weil das Wort "Vorsicht" für sie einfach nicht existierte. Sie hat zwar nie eine Trümmerprüfung gemacht, aber schon öfters trainiert und hat doch ganz gut gelernt, sich entsprechend auf Trümmern zu bewegen.
Heute wäre mir das fast egal, denke ich. Mit beiden Varianten kann man ganz gut arbeiten, denke ich... sofern man sich eben darauf einlassen möchte. Ist sicher auch Typsache.
Mein Manchester war von sich aus sehr geschickt, obwohl ich das in seinen frühen Lebensjahren nie geübt habe. Seine jetzt 1-jähriger Nachfolger hat das komplette Frühförderungspaket erhalten... Clickerübungen, die ihm von Anbeginn an die Hinterhand verdeutlichen sollten, Übungen zur Körperbalance bis hin zur puppygerechten Gerätearbeit sowie den üblichen Spaziergehspielen mit Klettern über Baumstämme, alles was mit gezielten Setzen der Beine zu hat. Ergebnis: Er kann die einzelnen Übungen, sein Körper hat das aber irgendwie nicht so ganz für den Alltag generalisiert und er ist trotzdem ein ziemlich ungeschickter Trampel...obwohl er im Vollspeed einen Turn-on-sixpence mühelos beherrscht.
Mein Pelle war da schon ein deutlicher Unterschied gegen... noch extremer meine kleine Strassenhündin, die Leitern, Jägerhochsitze noch nie anstrengend fand. Mein Whippet müsste da trotz früher Förderung wie meine Rettungshündin früher ordentlich klotzen müssen.
dietutnix74 hat geschrieben: Dazu kommt, und das unterschätzen viele Hundeführer und Ausbilder, der Faktor Vertrauen. Aggression ist zu 99,9% defensiv. Ein Hund, der beim Tragen beisst, hat ein schwerwiegendes Problem und sollte zunächst Dinge lernen, die nur bedingt was mit RH-Arbeit zu tun haben. Die grosse Frage ist auch, ob man diesem Hund mit der Ausbildung einen Gefallen tut ;-)

Eine wichtige Frage wäre auch, ob die Aggression vielleicht nicht doch schmerzidiziert ist. Aber das führt hier zu weit.
Full ack!
dietutnix74 hat geschrieben: Mein Pitbul ist abgestürzt, schüttelte sich und rannte gleich wieder auf`s Gerät.
OT: Schade, dass Listis nicht mehr ausgebildet werden dürfen... das wäre so toll für das Image dieser Rassen.
dietutnix74 hat geschrieben: Meine Hunde lernen das Verbellen indem sie die Übung langsam lernen. D.h. Bilder und Bellanzahl werden langsam gesteigert bis der Hund z.B. 6Min alles anbellen kann. Das ist die gleiche Übung wie 6 Min Fußlaufen ohne Bestätigung ;-).
Schon klar ;-). Ich habe eigentlich noch nie gesehen, dass es jemand anders macht, wenn sein Trainingsziel darin besteht, dass ein Hund lange und dennoch triebvoll verbellt. Zumindest nicht, wenn er damit erfolgreich war.
dietutnix74 hat geschrieben: Auch habe ich mit Perro nicht wie üblich von Anfang an Kontaktübungen gemacht.
Ich sehe da nichts Schlechtes dran. Ich hab das wie gesagt mit meinem Whippet ebenso gemacht... einfach nur, weil ich wollte, dass er lernt, dass es eine spassige Sache ist, mal was mit anderen Menschen zu machen und sich ruhig darauf einzulassen, selbst wenn sein Frauchen nicht aktiv mitmischt.
Ich finde das wichtig für einen Hund, weil das in meinen Augen Vertrauen zu Menschen sehr fördert - und ich hatte keine Sekunde vor, aus meinem Whippet einen RH zu machen. Der Faulpelz würde sich das sicher auch verbitten 8).
Aber selbst, wenn man das nicht als Grundpfeiler seiner Ausbildung ansieht, erschließt sich mir nicht, weshalb es nicht eine gute Ergänzung sein soll, sofern ich den Fähigkeiten meiner Staffelmitglieder oder Übungspersonen vertraue.
dietutnix74 hat geschrieben: Ich weiss, dass viele Hundeführer für meinen Geschmack zu schnell arbeitet. Meine Staffel wundert sich immer noch, weil Perro 99% der Übungen mit mir macht. Noch ist er mir aber zu ablenkbar, zu unkonzentriert, einfach noch nicht gefestigt.
Für meinen Geschmack arbeiten auch viele Hundeführer zu schnell... viel zu schnell. Und an den Grundlagen zu sparen, ist sicher so ziemlich das Verkehrteste, was man tun kann.
Ich finds auch überhaupt nicht schlimm, wenn ein Hund bis zu seiner Prüfung nicht die geschätzten 1.5-2 Jahre benötigt, sondern eben länger.
Das Tempo setzt eben der Hund und wenn er erst nach 3 Jahren einsatzfähig ist, dann ist das eben so... das macht ja die Arbeit in den kommenden Jahren nicht schlechter.


Welche Übungen macht Perro mit Dir?
Zu meiner Zeit war das auch häufig ein Diskussionsgrund, ob zb Spielen/Bestäigung durch den eigenen HF jetzt sinnvoll oder kontraproduktiv ist. In meiner Staffel vertrat man verstärkt zweite Meinung... nachvollziehen kann ich beide Ansichten... beide "Seiten" haben ganz gute Argumente. Für das "Erlernen" des gemeinsamen Spiels würde ich wie Du heute ein Spiel mit mir vorziehen, denke ich.
Ich habe Hunde gesehen, die so und so ausgebildet wurden... Probleme gabs auf beiden Seiten, ebenso zum Glück überwiegend sehr gut ausgebildete Hunde... mag sein, dass das eben auch etwas persönlicher Geschmack ist.


dietutnix74 hat geschrieben: Übrigens, am Rande, hätte ich mir einen Mali gekauft, hätte ich es genauso gemacht. Denn auch ein Mali neigt dazu ein nervöser Hampelmann zu sein. Das wird nur gerne übersehen, weil es halt ein Mali ist ;-)
Wie, ich dachte, Malis seien generell so 8) ? Kleiner Scherz, ich weiss, was Du meinst und seh das genauso. Dennoch wäre ein Mali aus guter Zucht einer der Hunde, die in die eingere Auswahl kommen würden, wenn ich nochmal einen Welpen gezielt dafür wählen würde. Und ein Manchester-Terrier eben, weil ich gerne einen Manchester-Terrier als sportlichen, witzigen und lieben Begleiter haben möchte :wink: .

Und jetzt nochmal total OT: Mir fällt ein, dass ich total gespannt bin auf die DVD von Claudia Moser... hat zwar mit Rettungshunden jetzt gar nix zu tun, geht aber in die Richtung unserer Diskussion:
http://clickerway.ch/osCommerce/product ... cts_id=126
Zuletzt geändert von monsters am 07.02.2010, 23:21, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüsse!

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Beitrag von Ynys Daeargi » 07.02.2010, 23:16

Ganz blöde Zwischenfrage eines interessierten Laien:
Was ist eine Trageübung und warum beißt ein Hund dabei? :confused:
Carsta

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Beitrag von dietutnix74 » 07.02.2010, 23:32

In den Eignungsprüfungen und in Sportprüfungen muss der Hund sich tragen lassen und sich dabei zu einer fremden Person übergeben lassen.

Warum ein Hund dann beisst, kann verschiedene Ursachen haben.
Solange Menschen glauben, dass Tiere nichts fühlen, solange müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.