Welpenverhalten

Kleine Tricks und schwere Fälle...
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Arthur
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Welpenverhalten

Beitrag von Arthur » 28.08.2005, 23:50

... schon wieder ich. Diesmal mit einer Frage an die Verhaltensforscher unter euch:
Was bedeutet es, wenn ein Welpe mit der Schnauze nach einem greift?

Im Spiel, gerade wenn es etwas wilder zugeht, leuchtet es mir ein, wenn Merlin meine ihn neckende Hand "fangen" will, wie er auch den rollenden Ball "fängt" (und dann wieder liegen lässt).

Aber manchmal greift er so – ich kann es nicht anders beschreiben – zärtlich nach mir. Meist wenn ich ihm ausgiebig, dabei aber ganz ruhig, den Bauch kraule. Dann greift er meinen Unterarm, mein Handgelenk, meinen Daumen, was er eben gerade zu fassen kriegt. Dies aber mit einer ganz anderen Haltung als beim spielerischen Schnappen. Er "greift" nur und übt mit seinen spitzen Zähnchen auch kaum Druck aus. Alle paar Sekunden macht er zwar keine "Zupack-Bewegungen" mit dem Kiefer oder sucht sich eine andere Stelle, aber es piekst überhaupt nicht.
Wenn ich meine Hand dann still auf seinem Bäuchlein liegen lasse, wird auch Merlin ganz still. Er greift nicht mehr mit der Schnauze, sondern "hält" mich nur noch. Seine Zähne liegen dabei genauso locker und ohne Druck auf meiner Haut, wie meine Hand auf seinem Bauch, manchmal minutenlang.

Abgesehen davon, dass dieses entzückende Verhalten mich wieder sehr klar daran erinnert, dass Hunde unsere Emotionen reflektieren, frage ich mich doch, ob es in der Verhaltenslehre nicht noch eine genauere Bestimmung dafür gibt?
Will er die Hand, die ihn Gutes tut, bei sich behalten? Oder macht es ihm einfach nur Spaß, in dem freudigen Moment irgendwas im Maul zu haben? Und wie ist es bei Hunden untereinander? Wer im Rudel hält wen auf diese sanfte Weise fest – zumal wenn er selbst gerade auf Rücken liegt? Gibt es da irgendwelche Vergleiche?

In meine schlauen Büchern konnten ich ad hoc keine Antwort finden, brenne aber darauf, wieder etwas dazu zu lernen. Vielleicht könnte ihr meinem Verständnis ja auf die Sprünge helfen?

Grüße,
Arthur

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markus
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Beitrag von markus » 29.08.2005, 00:17

Ufff... viele tiefgehende Fragen, die ich auch nicht beantworten kann.

Aber ich kann Dir sagen, daß es bei unseren beiden Rackern genauso ist, egal ob Joker mit 2 oder Dux mit 7 Jahren. Leichtes Kauen oder einfach Festhalten inklusive Dackelblick erzeugen ein Gefühl der Verbindung.
Ich glaube, daß ihnen eben keine andere Möglichkeit des "Festhaltens" gegeben ist.

Untereinander ist die Bedeutung auf jeden Fall eine andere, da dort in der Regel irgendwelche Faxen durch eine "Maulkralle" unterbunden werden und "schwupps" Jokers Kopf fast gänzlich in Dux' Fang verschwindet. Bei anhaltendem renitentem Verhalten des Halbstarken werden dann successive die "Waffen" ausgefahren... :twisted:

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Sandra
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Beitrag von Sandra » 29.08.2005, 09:08

Hallo!

Die "Untereinander Bedeutung" wird bei uns zusätzlich mit "sich meist schlimmer anhörendem Knurren als es ist" ausgeführt.
Jedoch gibt es in den Phasen des zärtlichen Miteinanders auch das liebevolle "knispern".
Sie kuscheln sich aneinander, kauen sich gegenseitig an den Ohren und "knispern" mit den Vorderzähnchen.
Sie praktizieren es auch bei den Menschen mit denen sie ausgiebig schmusen.
Erst kommt das leichte festhalten des Armes oder der Hand und dann folgt das zärtliche "knabbern" und "knispern" und der Blick der dabei "aufgesetzt" wird sagt eigentlich schon Alles.

Wie Markus schon schreibt, es ist ein Gefühl der Verbindung. Es gibt für einen Hund halt nicht viele Möglichkeiten seine Zuneigung zu zeigen - dieses ist eine davon.

Liebe Grüße
Sandra und die 20 Pfoten


@Arthur

GLÜCKWUNSCH zu Deinem Familienzuwachs!
Wir wünschen Dir ganz, ganz viel Spaß und Freude mit dem kleinen Merlin!

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Beitrag von Arthur » 29.08.2005, 16:03

Danke euch beiden für eure Antworten, und für die guten Wünsche, Sandra!

Gestern spät kam es dann wieder zu der Festhalte-Situation. Habe Merlin zwischendurch sein kleines Kissen hingeschoben, hat er auch reingebissen, aber dann sofort wieder davon abgelassen und nach meinem Arm gesucht. Nach mehrmaliger Wiederholung habe ich zumindest schon mal soviel festgestellt:

"Irgendwas" im Maul zu halten ist dem Welpen beim wohligen Bäuchleinkraulen wichtig. Das begehrteste Objekt ist dabei offenbar die aktiv kraulende Hand bzw. der dazugehörige Arm. Kommt man da allerdings nicht ran, wird nach der anderen freien Hand gesucht. Erst wenn auch das, trotz großen Gewusels, nicht klappt, wird mit Kissen, Decke, etc. vorliebgenommen (dient vielleicht auch dem Festhalten beim ganz-lang-Machen?).

Heute sah ich Merlin zum ersten Mal mit einem anderen Hund, einem Parson Jack Russell-Welpen, der aber schon deutlich massiger war als er, spielen. Auch hier trat nach wildem Ringen und Kugeln schließlich eine Ruhephase ein; sie lagen ganz ruhig (Merlin oben *g*), und jeder hatte einen Hinterlauf des anderen ganz leicht zwischen den Zähnen.


Weiterhin neugierig,
Arthur

P.S.: Eben hat Merlin zum ersten mal eine Lautäußerung abgegeben, als er "aufs Klo" musste. Allerdings klang es wie ein heiseres Miau ... muss mir doch noch mal aufmerksam seinen Stammbaum ansehen ...

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Beitrag von markus » 29.08.2005, 16:09

Arthur hat geschrieben:P.S.: Eben hat Merlin zum ersten mal eine Lautäußerung abgegeben, als er "aufs Klo" musste. Allerdings klang es wie ein heiseres Miau ... muss mir doch noch mal aufmerksam seinen Stammbaum ansehen ...
Vorsicht... der Hund merkt sich, worauf Du reagierst... das sollte besser nicht ein MIAU sein... :mrgreen:

->
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Beitrag von long nose pepper » 29.08.2005, 19:57

Hallo Arthur,

ich sehe diese Geste mit anderen Augen: Also ich habe in der Hundeschule folgendes gelernt:

Ein Hund lernt noch während er nichts sieht, hört oder laufen kann, direkt soziales Verhalten, Unterordnung (Rangstreben) und Manipulation! Er wächst nun in seinem kleinen Rudel auf und auch wenn wir es nicht merken, die Kleinen haben untereinander schon alles geklärt!

Mit 8 oder 9 Wochen reißen wir sie aus der gewohnten Umgebung! Das ist erst einmal ein Schock, denn der Hund muß sich erst einmal neu orientieren, neue Ränge festlegen und seine Resourcen verwalten. Was sind seine Resourcen?: "Futter, Spielzeug, die Höhle und der sozialer Kontakt"
Er ordnet also alles wieder neu und da beginnt schon die Manipulation! Ein Hund Manipuliert sein Leben lang. Hat er Erfolg wird er Dir auf seine Weise zeigen dass Du nichts zu melden hast! Es sind Kleinigkeiten! z.B. Das festhalten der Hand die ihn krault!

Ich gebe nur einen kleinen Hinweiß (bin auch nicht allwissend und andere Leute haben ihre Hunde auch im Griff), entziehe ihm hin und wieder die Hand! Er soll merken, dass er nicht bestimmt wie lange sie da bleibt, dass bestimmst Du alleine!
Ruhe: Mache alles mit Gelassenheit, ignoriere ihn einfach mal und wenn er elendig drein schaut, drehe Dich um und gehe weg! Lass ihn einfach mal schmoren! Du wirst sehen, er wird Dich mehr lieben als zuvor!

Liebe Grüße
Sandra